Walter Strategische Kommunikation

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Strategische Kommunikation
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„Jeder Tag ist anders.“

Zeitzeichen: Frau Bodenburg, schön, dass unser Gespräch heute stattfinden kann. Das hätte ja fast nicht funktioniert. Die letzten drei Tage waren Sie nicht im Büro erreichbar. Was war los?

Bodenburg: Mein Sohn war krank. Und wenn das Kind krank ist, dann bleibt klassischerweise die Mutter zuhause. Beim Pflegen habe ich mich dazu auch noch angesteckt. So ist das. 

Zeitzeichen: Und heute ging der Alltag dann wieder los. Jetzt ist es kurz nach 10 Uhr. Wie sah Ihr Tag denn bis jetzt aus?

Bodenburg: Ich stehe gegen 6 Uhr auf. Wenn ich mich fertig gemacht habe, wird mein Sohn wach. Bis 9 Uhr muss er im Kindergarten sein. Meist bringe ich ihn aber schon eher hin, damit ich mich auf den Weg von Düsseldorf ins Büro nach Essen machen kann. Wenn mein Mann geschäftlich nicht unterwegs ist, dann bringt er den Kleinen in den Kindergarten und ich kann früher los.

Zeitzeichen: Früher zur Arbeit.

Bodenburg: Ja, bei anderen heißt das länger arbeiten. Ich kann aber nicht länger im Büro bleiben, also versuche ich früher anzufangen.

Zeitzeichen: Warum?

Bodenburg: Um 16 Uhr hole ich meinen Sohn vom Kindergarten wieder ab. Später geht einfach nicht. Im Büro bleiben und noch etwas erledigen, wie es andere vielleicht tun, kann ich nicht. Dann kann ich höchstens abends, wenn mein Sohn schläft, nochmal an den Computer.

Zeitzeichen: Ein durch und durch organisierter Tag. Was hätten Sie vor der Geburt Ihres Kindes zu diesem Tagesablauf gesagt?

Bodenburg: Ich habe es mir einfacher vorgestellt. Ich war vor meinem Sohn ein komplett durchgeplanter Mensch und dachte, ich könne mein Kind auch durchplanen. Das geht aber nicht. Es kommt dann doch ganz anders, wie man sich das vorgestellt hat. Jeder Tag ist anders und mit Improvisation verbunden. Das hat mir aber auch gut getan.

Zeitzeichen: Inwiefern?

Bodenburg: Ich habe mit meinem Kind gelernt gelassener zu sein. Und er hilft mir, dass ich gedanklich sehr wenig von der Arbeit mit nach Hause nehme. Es ist ein Geben und Nehmen.

Zeitzeichen: Zeitmanagement scheint aber trotzdem die wichtigste Voraussetzung für die Vereinbarkeit von Führungsposition und Familie zu sein. Oder?

Bodenburg: Natürlich. Ich versuche vor allem meinen Tag effektiv zu nutzen. Das bedeutet, dass ich in Meetings gut vorbereitet sitze und in der vorgesehenen Zeit auch wichtige Entscheidungen treffen kann. Wenn sich alle konzentrieren, kann auch produktiv gearbeitet werden. Ich erwarte das auch von meinen Kollegen.

Zeitzeichen: Und die akzeptieren die Situation?

Bodenburg: Ja. Ich habe noch keine negativen Reaktionen erfahren. Klar wissen alle inzwischen, dass, wenn ich in einem Meeting dabei bin, ich zeitlich sehr begrenzt bin. Aber das ist eine Frage der Disziplin. Alle müssen sich mit der Situation arrangieren. Ich denke, Arbeitgeber können da sogar noch von Müttern profitieren, gerade weil sie so effektiv und organisiert arbeiten müssen.

Zeitzeichen: Kommt Ihr Arbeitgeber Ihnen dafür auch entgegen?

Bodenburg: Ja. Ich kann zum Beispiel einen Tag in der Woche im Home Office arbeiten. Das nutze ich zum Beispiel auch, wenn mein Sohn krank ist. Ich kann das flexibel arrangieren. Das setzt natürlich ein großes Vertrauen vom Arbeitgeber voraus. Regulär habe ich eine 30-Stunden-Woche.

Zeitzeichen: Funktioniert Teilzeit in einer Führungsposition?

Bodenburg: Für mich und meine Familie funktioniert es. Natürlich gibt es mal Momente, in denen ich Sorge habe, meinem Arbeitgeber nicht gerecht werden zu können. Und Momente, wo man denkt, das Kind kommt zu kurz. Ich denke, das wichtigste ist, dass man sich selbst auch Grenzen setzt.

Zeitzeichen: Also, zum Beispiel keine höhere Führungsposition anstreben?

Bodenburg: Genau. Aber das ist eine ganz persönliche und individuelle Entscheidung, die jede Familie für sich treffen muss. Und es hängt auch mit einer wirtschaftlichen Entscheidung zusammen. Möchte man als Familie einen bestimmten Standard leben, müssen beide Elternteile arbeiten gehen. Ich sehe meinen Beruf aber nicht als Belastung, sondern mache ihn gerne. Trotzdem möchte ich für mich nicht noch mehr berufliche Verantwortung übernehmen. 

Zeitzeichen: Können Arbeitgeber denn nicht andere Rahmenbedingungen schaffen, damit solche Entscheidungen vor allem Frauen einfacher fallen?

Bodenburg: Es passiert ja schon einiges in Deutschland. Die Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind aber noch nicht optimal. Home Office, flexible Arbeitszeiten und KiTa. Da sind viele Unternehmen noch weit von entfernt. Gerade die großen Konzerne. Solange Arbeitgeber nicht das Potenzial für das Unternehmensimage und die Mitarbeiterbindung in dieser Thematik erkennen, solange sind individuelle Lösungen noch viel wichtiger. Das ist der Schlüssel.




Zur Person

Tanja Bodenburg leitet seit 2009 das Creative Marketing der Funke Mediengruppe. Neben ihrer Tätigkeit als Führungskraft ist sie auch Mutter eines fünfjährigen Sohnes und versucht jeden Tag diese beiden Welten miteinander zu vereinbaren.

 

Dieses Interview ist erschienen im Themenheft Zeitzeichen Kind und Karriere - Perspektiven auf die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

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