Walter Strategische Kommunikation

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Strategische Kommunikation
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„Unpersönlich, unehrlich, unmenschlich.“

Andreas Walter im Gespräch mit Gerd Kemper über Alternativen zur  deutschen Trauer- und Bestattungskultur


Die Kemper GmbH in Vreden baut unter anderemFilteranlagen für die Industrie. Gerd Kemper, der Inhaber, ist davon überzeugt, dass sein Unternehmen sehr gute Filteranlagen baut. Doch Gerd Kemper ist noch von etwas anderem überzeugt: Er meint, dass zumindest der letzte Wille des Menschen sein eigener sein sollte. Mit dieser Überzeugung, Engagement und Courage hat Gerd Kemper eine Betreibergesellschaft gegründet. Eine Betreibergesellschaft, die am Vredener Friedhof ein Dienstleistungszentrum errichtet hat: die Trauerberatung der besonderen Art: das Haus Berkelruh.

Walter: Herr Kemper, im katholischen Vreden ein Dienstleistungs- und Trauerzentrum als  Alternative zur herkömmlichen Bestattungspraxis zu errichten – das klingt nicht gerade nach einem Selbstläufer?

Kemper: Ach, lassen Sie mal. Vreden ist dafür gar nicht mal so schlecht geeignet. Wir haben hier viele mittelständische Unternehmen, man kennt, schätzt und hilft sich, wenn möglich. Aber natürlich haben Sie schon insofern Recht, als dass man für die Akzeptanz einer solchen Einrichtung etwas tun muss.

Walter: Ist es Ihr Ziel, mit Haus Berkelruh das Thema der Sterbekultur neu aufzurollen und zu beleben?

Kemper: Das hört sich zu sehr nach einem gesellschaftspolitischen Kraftakt an. Nein, es geht eigentlich nur darum, ein Angebot zu machen, Alternativen anzubieten. Der Mensch soll entscheiden, wie sein Abschied von dieser Welt aussehen soll, nicht die Öffnungszeiten des Friedhofsamtes.

Walter: Was ist anders am Haus Berkelruh? Wie sieht solch eine Alternative konkret aus?

Kemper:Der zentrale Unterschied besteht darin, den Willen und die Vorstellungen des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Der Verstorbene, bzw. seine Angehörigen haben zuvor während der Beratung bei uns die Art und Weise der Bestattung festgelegt. Unsere Beratung geht dabei von der Patientenvollmacht über die Wahl des Grabsteins bis hin zu der Frage wie Abschied und Bestattung aussehen sollen.


Walter: Egal ob Händel oder Hendrix?

Kemper: Egal. Es hat auch schon jemanden gegeben, der dem Verstorbenen zum Abschied ein Buch vorgelesen hat. Zum zweiten Teil Ihrer Frage, was anders ist an Haus Berkelruh. Haus Berkelruh ist transparent, hell, in freundlichen, frischen Farben gehalten und bietet zahlreiche Möglichkeiten des Abschiednehmens. Ganz wichtig ist uns, dass wir uns als Alternative, als Angebot sehen. Wir werden keinen überreden.

Walter: Herr Kemper, was war Ihre Motivation? Gab es ein Schlüsselerlebnis?

Kemper: Eine wesentliche Erfahrung war sicher die Beerdigung eines guten Freundes, die nach dem klassischen Schema F abgelaufen ist...

Walter: Schema F?

Kemper: Ein Mensch stirbt, man ruft den Arzt, der stellt den Totenschein aus, der Bestatter kommt, ab in die Kiste und dann in die Leichenhalle. Bei der Feier in der Kirche wird dann oft gelogen, dass sich die Balken biegen, und das Beste: Der Betroffene ist meistens gar nicht da, sondern liegt nebenan in der Leichenhalle. Wenn er dann zu Grabe getragen wird, kondolieren Sie den Angehörigen, dann rein ins Loch und zugeschüttet. Finden Sie das menschlich?

Walter: Nein. Eher unpersönlich. Sie hatten damals schon Kontakt mit dem kürzlich gestorbenen Bestatter Fritz Roth, dem Vorreiter in Sachen individuelle Trauerbegleitung. Für eine seiner Ausstellungen haben Sie auf Ihrem Geburtstag gesammelt. Hat er Haus Berkelruh noch erlebt?

Kemper: Erlebt ja, aber aufgrund seiner fortgeschrittenen Krankheit hatte er nicht mehr die Kraft, zur Eröffnung zu kommen. Er fand es aber toll, was aus seiner Ausstellungsidee geworden ist. So wurden 50 Koffer ausgestellt, die nach dem Motto „Ein Koffer für die letzte Reise“ gepackt werden sollten.

Walter: Herr Kemper, lassen Sie uns nochmal auf das Thema Kommunikation kommen. Wie haben Sie Vreden an Haus Berkelruh gewöhnt?

Kemper: Grundsätzlich ist und bleibt es ein schwieriges Thema, das Zeit braucht. Aber ich habe schon während der Bauphase gemerkt, dass da was in Bewegung kommt. Insofern sind diese Schwerpunkte der Kommunikation Angebote. Wir bieten Trauerberatung als Dienstleistung an, Seminare, Vorträge oder Fahrten ins Krematorium um das einmal kennenzulernen.

Walter: Sie machen das Thema öffentlich. Wie ist die Nachfrage?

Kemper: Sehr groß. Dies obwohl die Kirche davon nicht so rasend begeistert ist. Klar, die wittert Konkurrenz, da kratzt jemand an ihrem Einflussbereich. Drum haben wir zur Einweihungsfeier alle Kirchen eingeladen und eine ökomenische Einsegnung des Gebäudes akzeptiert. Sie müssen halt Kompromisse machen, wenn Sie Ziele erreichen wollen.

Walter: Sie haben alle Kirchen geladen?

Kemper: Klar. Alle. Wir schließen keinen aus. Wir haben beispielsweise alle Freikirchen eingeladen und auch die Moslems. Die sind aber nicht gekommen. Und ehrlich gesagt, ich hatte das Gefühl, dass der Pfarrer die  Idee sogar gut fand. Aber die Amtskirche….

Walter: Apropos Ziele. Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod?

Kemper: Muss ich als Katholik doch, oder? Per kirchlicher Verordnung. ..Ob ich persönlich daran glaube?....Ich weiß es nicht.

Walter: Nun haben Sie sich in den letzten Jahren intensiv mit Leben und Tod beschäftigt. Fritz Roth, der im November noch bei Günther Jauch in seiner Sendung saß, ist am 13. Dezember gestorben. Am gleichen Tag wurde Ihr Enkelkind geboren. Leben geht – Leben kommt. Was haben Sie da gedacht?

Kemper: Nichts. Das war reiner Zufall.




Zur Person

Gerd Kemper ist Gründer, Inhaber und zusammen mit seinem Sohn Björn Geschäftsführer der KEMPER GmbH in Vreden. KEMPER ist ein international aufgestellter Hersteller rund um Metallbe- und  verarbeitung. In den Bereichen Absaug- und Filteranlagen sowie Absaugtischen für die metallverarbeitende Industrie ist KEMPER Weltmarktführer. Im September 2012 gründete Gerd Kempers Betreibergesellschaft das Haus Berkelruh in Vreden.

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