Walter Strategische Kommunikation

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Strategische Kommunikation
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„…Paul Schockemöhle möchte am liebsten jetzt schon 20 unserer Absolventen haben…“

Andreas Walter im Gespräch mit Andrea Kutsch, Gründerin der Andrea Kutsch Akademie für Pferdekommunikationswissenschaften, über das „Pferdeflüstern“, die Gründung einer außergewöhnlichen privaten Fachhochschule und Robert Redford.

Walter: Frau Kutsch, Sie schreiben im Leitbild der Andrea Kutsch Akademie, dass das „Pferdeflüstern“ im Gegensatz zur Darstellung in vielen Medien nichts Mystisches oder Spirituelles ist. Vielmehr basiert es auf einem interdisziplinären Ansatz der Verhaltensforschung. Stört Sie der Begriff „Pferdeflüsterin“?

Kutsch: Gelegentlich schon. Andererseits darf man auch nicht vergessen, dass der Film „Der Pferdeflüsterer“ mit Robert Redford regelrecht eine Welle ausgelöst hat. Gerade in Deutschland hat er enorm zur Bekanntheit von Monty Roberts beigetragen, was wiederum mir natürlich sehr zugute kam.

Walter: Monty Roberts, der Wegbereiter des gewaltfreien Umgangs mit Pferden und Personifizierung des Pferdeflüsterers, an dessen Seite Sie fünf Jahre gearbeitet haben. Wie viel Hollywood und wie viel Monty Roberts steckt in dem Film?

Kutsch: Hollywood sieht das natürlich primär unter dem Aspekt voller Kassen. Und in der Tat hat man sich im Laufe des Films mit Robert Redford überworfen. Denn er wollte partout bei dem Trainieren der Pferde Gewalt integrieren und hat das auch getan. 

Walter: Ihr Ansatz hingegen basiert eher auf Faktoren wie Beobachten, Zuhören, auf Empathie und arbeitet stark körpersprachlich. Wieso ist diese Methode so erfolgreich?

Kutsch: Weil sie das Pferd als das begreift was es ist: nämlich ein Fluchttier. Soll heißen, wenn ich vor einem Pferd stehe, ihm in die Augen schaue und dann auch noch pausenlos auf das Tier einrede löst das bei Fluchttieren nun mal den gleichnamigen Instinkt aus. Und ich muss Kraft und Gewalt anwenden, um es beispielsweise dazu zu bewegen, in den Hänger zu gehen.

Walter: Wobei das mit Gewalt direkt noch nichts zu tun hat.

Kutsch: Doch, schon. Denn das Pferd agiert ja nur unter Zwang. Wenn Sie beispielsweise ein gesatteltes Pferd reiten und ihm bestimmte Befehle geben, „hört“ es auf Sie. Und nun nehmen Sie mal den Sattel ab und lassen es sich frei auf der Koppel bewegen. Dann geben Sie die gleichen Befehle vom Zaun aus. Was meinen Sie was geschieht?

Walter: Relativ wenig. Wahrscheinlich gar nichts.

Kutsch: Exakt. Das bedeutet doch, dass wir das Pferd zwingen etwas zu tun, was es nicht freiwillig tut. 

Walter: Wie funktioniert das bei Ihnen ohne Zwang? Sie arbeiten sehr viel mit Gesten und Körpersprache.

Kutsch: Richtig. Beispielsweise durch eine eingerollte Hand und abgesenkte Augen signalisiere ich einem Fluchttier „Keine Gefahr!“. Wenn ich jedoch die Hand öffne, wird das vom Pferd mit einer Kralle gleichgesetzt und es hat Angst. Wenn Sie generell so vorgehen, akzeptiert das Pferd Sie als Anführer.

Walter: Was bedeutet Anführerschaft konkret?

Kutsch: Das bedeutet, dass Sie grundsätzlich Richtung und Geschwindigkeit einer Herde bestimmen und die Herde sicher führen. Anführerschaft bedeutet aber auch zu bestimmen, wann geflohen wird.

Walter: Und das vermutlich ohne Diskussion.

Kutsch: Ohne Diskussion. Wenn der Anführer den Kopf hebt und flieht, dann wird geflohen. Da meldet sich keiner aus der Herde und sagt: „Moment, ich muss da erstmal nachschauen, ob das wirklich ein Löwe ist“.

Walter: Lassen Sie uns über die Andrea Kutsch Akademie sprechen. Ganz ehrlich: Wie schafft man es, in zwei Jahren eine komplette Akademie aus dem Boden zu stampfen – inklusive staatlicher Akkreditierung des ersten Studiengangs? Und – so scheint es – die Akkreditierung als Institution steht kurz bevor.

Kutsch: Ja, das hoffen wir. Natürlich war das Schwerstarbeit. Zumal es nicht um die üblichen Studiengänge wie den Diplomkaufmann oder Wirtschaftsingenieur geht. Hier geht es um etwas recht Exotisches: Pferdekommunikationswissenschaften. 

Walter: Was treibt Sie zu solch einem Großprojekt? 

Kutsch: Emotional treibt mich der Wunsch, etwas Bleibendes schaffen zu wollen. Rational motiviert mich überwiegend die Frustration darüber, dass man nirgendwo verbindlich nachlesen kann, wie man korrekt 600 Kilo Tier zum Beispiel durch den Wald bewegt. Zwar gibt es unzählige Gurus und Schulen, die es natürlich alle richtig machen. Zudem arbeiten in der Pferdewirtschaft rund 300.000 Menschen. Dennoch gibt es keine Möglichkeit, sich in diesem Bereich auf Universitätsniveau zu qualifizieren.

Walter: Die Andrea Kutsch-Akademie bietet somit erstmalig den Raum für Forschung und Lehre? 

Kutsch: Genau. Erstmals ist es in Deutschland möglich, sich diesem Thema wissenschaftlich zu nähern. Das Tolle ist auch, dass sich hier ein Team bildet, das versteht, wie ich denke und das einmal meine Ideen in die Welt raus trägt. Denn meine Absolventen werden durch das Studium zwangsläufig zur Wissenselite auf ihrem Gebiet. Denn das wird der Markt werden.

Walter: Es gibt jetzt schon Nachfragen?

Kutsch: Sehr viele. Auch international. Paul Schockemöhle möchte am liebsten jetzt schon 20 unserer Absolventen haben.

Walter: Er ist Ihrer Akademie sehr verbunden. Wird er sie bekommen?

Kutsch: In der Tat wäre er einer der Ersten. Aber, die ersten Absolventen bleiben erstmal bei uns.

 

Zur Person

Andrea Kutschs Leidenschaft für Pferde begann bereits mit fünf Jahren, als sie ihr erstes Pony bekam. Beruflich legte sie mit der Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau die Grundlage für ihre spätere unternehmerische Tätigkeit. Doch zunächst machte die geborene Frankfurterin als professionelle Windsurferin Karriere. Andrea Kutsch führte zeitweilig die deutsche Gesamtrangliste unter anderem in den Disziplinen Waveriding und Slalom an. Anschließend arbeitete sie in verschiedenen PR-Agenturen und ging dann nach Amerika. Von 1999 bis 2003 studierte sie dort an der Seite des „Pferdeflüsterers“ Monty Roberts dessen Methoden einer gewaltfreien Pferdeerziehung. 2006 gründete Andrea Kutsch in Bad Saarow die Andrea Kutsch Akademie für Pferdekommunikationswissenschaft, die 2009 den ersten Absolventenjahrgang entlassen wird.

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